Hanau           20. November 2014

Individuell bis in den Tod

 Von Rebecca Röhrich
Ute Beetz mit einigen ihrer Urnen. Foto: Renate Hoyer

Die Hanauerin Ute Beetz gestaltet Schmuckurnen nach den Wünschen ihrer Kunden. Für einen passionierten Segler hat sie eine Urne mit maritimen Motiven gestaltet, für einen Fan eine AC/DC-Urne.

Das kleine Atelierzimmer von Ute Beetz ist gemütlich und befindet sich in einer Altbauwohnung, die sie mit ihren drei Kindern und zwei Katzen bewohnt. In Regalen aus Holz stehen dicht gedrängt Glasbehälter mit Bastelmaterialien. Auf dem Holztisch in der Mitte des Raumes steht eine Urne, verziert mit einem Blumenmuster und einem grünen Band.

Denn die Hanauerin gestaltet Schmuckurnen, Gefäße, in denen die Aschekapseln der Verstorbenen beerdigt werden. „Als meine Mutter 2010 starb und ich mir die Urnenauswahl angeschaut habe, empfand ich diese als sehr unpersönlich“, erzählt die 49-Jährige. „Also habe ich mich entschieden, die Urne meiner Mutter selbst zu gestalten.“

Drei Monate später starb ein guter Freund der Mutter, die Witwe wünschte sich eine individuelle Urne und wandte sich an Beetz. Der passionierte Segler fand seine letzte Ruhestätte in einer Urne, gestaltet mit Segelbooten, Muscheln und einem Delphin. „Als die Frau des Verstorbenen die Urne das erste Mal sah, war sie sehr glücklich“, erzählt Beetz, „das hat mich inspiriert. Denn die Überlegungen, wie die Urne aussehen soll, kann für die Angehörigen eine sehr sinnvolle Trauerarbeit sein.“

Seit 2012 ist sie mit dieser Arbeit selbstständig tätig. Mittlerweile beherbergt die gelernte Floristin Urnen mit Motiven aller Art. Sogar eine AC/DC-Urne hat sie angefertigt. Aber auch Urnen mit Engeln oder Waldmotiven. Die fertigen Schmuckurnen liefert sie an den Bestatter.
Urnenbestattungen liegen, laut dem Bundesverband Deutscher Bestatter im Trend: Knapp 55 Prozent der Verstorbenen werden in Deutschland in Urnen bestattet. Die traditionelle Erdbestattung im Sarg wird zunehmend von der Feuerbestattung abgelöst.

Rund 30 verschiedene Urnen bietet Beetz in Beerdigungsinstituten hessenweit an. Sie habe auch Urnen mit Logos beliebter Fußballmannschaften entworfen, aber das sei bei den Vereinen gar nicht gut angekommen, berichtet sie, es sei ihr untersagt worden. Nur der 1. FC Bayern München sei einverstanden.

Biologisch abbaubar

In der Gesellschaft habe der Tod keinen Raum, obwohl er zum Leben dazugehöre, findet Beetz. „Deshalb sind die Angehörigen meistens mit einem Todesfall überfordert und kommen gar nicht auf die Idee, die Urne individuell zu gestalten“, erklärt sie, während sie eine Rohurne auf dem Tisch platziert. Die ist vollständig biologisch abbaubar und wird immer mehr zu einer Alternative zu Urnen aus Metall. Nach fünf Jahren hat sie sich im Erdreich aufgelöst.

Es herrscht eine entspannte Atmosphäre im Hause Beetz, was das Thema Tod betrifft. Die Töchter Annabell und Alisa, 29 und 17 Jahre alt, helfen manchmal bei der Gestaltung der Urnen mit. Auch sie reden offen über den Tod und die letzte Ruhe. Ute Beetz holt ihre eigene Erfindung, ein Urnensäckchen, hervor. Statt in eine Urne kommt das Gefäß mit der Asche in einen Beutel aus edlem Stoff. Dieser kann individuell bestickt und benäht werden. Das ist ein wenig günstiger, aber mindestens genauso schön, sagt die Designerin.

Das Leben jedes Menschen sei so voller Facetten, warum soll sich das nicht auch in seiner letzten Ruhestätte widerspiegeln: Das ist die Philosophie der optimistisch wirkenden Frau. Und sie ist davon überzeugt, mit ihrer Arbeit dem Tod einen angemesseneren Platz im Leben zu geben.